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Veröffentlichungen
    
Dagmar Beck-Bever 
2003 - Arzthaftungsrecht  
2008 - Wohnungseigentumsrecht
2009 - Medizinrecht / Patientenverfügung 
2010 - Wohnungseigentumsrecht 
2011 - Multiresistente Keime  
2012 - Patientenrechtegesetz
2013 - Leistungsanträge

2017 - Sicherheit durch ärztliche Zweitmeinung
 
 
Multiresistente Keime in Arztpraxen und Krankenhäusern

Wer zum Arzt geht oder gar ein Krankenhaus aufsucht, hat in der Regel schon gesundheitliche Sorgen. Es können jedoch, und das kommt gar nicht selten vor, ganz massive zusätzliche Sorgen auftreten - nämlich dann, wenn sich der Patient mit einem sogenannten multiresistenten Keim infiziert.

Solche Keime, die z.B. als ORSA (= oxacillin-resistenter Staphylococcus aureus) oder als MRSA (= methicillin resistenter Staphylococcus aureus) auftreten, können lebensbedrohliche Komplikationen wie etwa eine Sepsis oder eine schwere Lungenentzündung auslösen. Das Gefährliche an diesen Keinem ist, dass sie auf die üblichen Antibiotika nicht reagieren und deshalb nur sehr schwer unter Kontrolle zu bekommen sind.

Zu einer Infektion mit multiresistenten Keimen kann es im Bereich von Arztpraxen und insbesondere in Krankenhäusern schnell kommen. Die Keime werden durch Gegenstände, an denen sie sich über Monate halten, oder aber direkt von Mensch zu Mensch, insbesondere über die Hände, übertragen. Durch Spritzen, Kanülen, natürlich auch durch Operationen gelangen die Keime in den Organismus des Patienten, wo sie häufig großen Schaden anrichten können.

Gegen eine Infektion mit multiresistenten Keimen in Arztpraxen und Krankenhäusern hilft nur eines: Strengste Hygiene. Jede Praxis, jedes Krankenhaus ist selbstverständlich darauf bedacht, die jeweils für sie geltenden, u.a. im Infektionsschutzgesetz sowie in den Landeskrankenhausgesetzen geregelte Hygienevorschriften peinlich genau zu beachten. Gleichwohl kommt es jedes Jahr zu außerordentlich zahlreichen Ansteckung-gen mit multiresistenten Keimen.

Ist ein Patient von einer solchen Infektion betroffen, stellt sich die Frage, ob er den niedergelassenen Arzt oder das behandelnde Krankenhaus auf Schadensersatz in Anspruch nehmen kann. Dies setzt zunächst voraus, dass der Patient den Nachweis er-bringt, dass die Quelle der Infektion nicht aus seiner eigenen Sphäre stammt - etwa weil er schon mit einem multiresistenten Keim ins Krankenhaus gekommen ist -, sondern aus der Sphäre der Arztpraxis oder des Krankenhauses. Deren Sphären müssen durch sachgerechte Organisation und Koordinierung der Behandlungsabläufe so gestaltet werden, dass eine Gefährdung des Patienten ausgeschlossen wird (sogenanntes voll beherrschbares Risiko). Gelingt dem Patienten der o.g. Nachweis, müssen der Arzt oder das Krankenhaus darlegen und beweisen, dass alle organisatorischen und technischen Vorkehrungen gegen vom Personal der Klinik oder der Arztpraxis (Ärzte, Pflegepersonal usw.) oder von den dort verwendeten Gegenständen ausgehende, vermeidbare Keimübertragungen getroffen wurden (vgl. BGH Urteil vom 08.01.1991, Aktenzeichen VI ZR 102/90).

Für den Patienten ist es häufig keine leichte Aufgabe, die erste Hürde zu überwinden, nämlich die Quelle der Infektion im Bereich der Praxis oder des Krankenhauses nach-zuweisen. Durch im Medizinrecht spezialisierte Rechtsanwälte wird hier wertvolle Hilfe geleistet. Sie kennen aufgrund einschlägiger Urteile die Ansatzpunkte für den vom Patienten zu erbringenden Nachweis. Hierzu gehören in erster Linie natürlich eine unzureichende Händedesinfektion, eine ungenügende Hautdesinfektion vor Injektionen, eine Erkrankung des Pflege- oder Ärztepersonals (vgl. BGH, Urteil vom 20.03.2007, Aktenzeichen 6 ZR 158/06 zu einer an Heuschnupfen erkrankten Arzthelferin), eine Verunreinigung des Desinfektionsmittels oder eine zu kurze Einwirkungszeit vor der Injektion, eine zu seltene Desinfektion der Arbeitsflächen, aber auch das Fehlen von verbindlichen Hygieneplänen oder die unzureichende Überwachung der Einhaltung dieser Pläne.

Je früher die Nachforschungen für die Infektionsquelle beginnen, desto besser ist die Ausgangslage für den Patienten. Deshalb ist die frühzeitige Einschaltung eines Anwalts oder einer Anwältin ratsam. Spezialisierte Anwälte benennt die Rechtsanwaltskammer Celle unter der Tel.-Nr.: 05141/9282-0.