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Veröffentlichungen
   
Michael Heinrichs
2016 - Versicherungsrecht
2016 - Elternunterhalt - Wann müssen Kinder für ihre Eltern zahlen?
2017 - Kindesunterhalt - wie lange muss gezahlt werden?
2017 - Versicherungsrecht
 
 

Versicherungsrecht

 

Den Deutschen wird ja allgemein nachgesagt, sie verfügten über eine sehr auf Sicherheit bedachte Mentalität. Eine Auffassung, welche durch einen Blick auf die Statistiken durchaus bestätigt wird: Nach einer Studie des Europäischen Versicherungsverbandes aus dem Jahr 2012 gibt jeder Bundesbürger im Schnitt mehr als € 2.200,- pro Jahr für Versicherungen aus Das ist im europäischen Vergleich ein Spitzenwert.

Bei der Entscheidung zum Abschluss eines Versicherungsvertrages sollte jedoch genau geprüft werden, welche Art von Versicherung tatsächlich individuell notwendig und sinnvoll ist bzw. ob die Versicherung, welche angeboten wird, tatsächlich auf den konkreten Lebensbedarf zugeschnitten ist oder nicht. So gibt es Risiken, deren Absicherung stets empfehlenswert ist, z.B. durch eine private Haftpflichtversicherung oder aber eine Krankentagegeldversicherung, insbesondere für Selbständige. Seit Abschaffung der gesetzlichen Berufsunfähigkeitsrente im Jahr 2000 gehört sicherlich auch die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung – meist in Kombination mit einer Kapitallebensversicherung – in diese Kategorie.

Ist der Versicherungsvertrag sodann erst einmal abgeschlossen, kann in Bezug auf das abgeschlossene Risiko sodann ja eigentlich nichts mehr schief gehen – sollte man meinen. Doch Vorsicht: Werden die Fragen in dem Versicherungsantrag nicht absolut korrekt und umfassend beantwortet, so führt dies häufig zu massiven Problemen, wenn einmal der Schadensfall eingetreten ist. Denn der Versicherer ist in den meisten Fällen nicht gehalten, beim Abschluss des Versicherungsvertrages die Angaben des Versicherungsnehmers zu überprüfen. Dieses holt der Versicherer jedoch in aller Regel nach, sobald ein Schadensfall gemeldet worden ist. Stellt sich dann heraus, dass Angaben möglicherweise nicht – oder nicht mehr – korrekt sind, kann dies dazu führen, dass der Versicherer die Versicherungsleistung nicht oder nicht vollständig erbringt.

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung muss der Versicherungsnehmer im Antragsformular unter anderem diverse Fragen zu seiner Gesundheit sowie zu ärztlichen Untersuchungen, Behandlungen und Beratungen während der letzten – meist fünf – Jahre beantworten. Der Versicherer muss schließlich das Risiko prüfen und kalkulieren können, mit welcher Wahrscheinlichkeit tatsächlich einmal mit dem Eintritt einer Berufsunfähigkeit gerechnet werden muss. Dieses Risiko ist beispielsweise bei einem Dachdecker mit Bandscheibenproblemen erheblich höher zu bewerten als bei einer Bürokauffrau ohne Rückenprobleme.

Werden nunmehr Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung geltend gemacht, überprüft der Versicherer umgehend, welche ärztlichen Untersuchungen, Beratungen und Behandlungen tatsächlich in dem abgefragten Zeitraum stattgefunden haben. Stellt der Versicherer dabei fest, dass Angaben bei Antragstellung unterblieben sind, so erklärt er häufig den Rücktritt vom Versicherungsvertrag oder er ficht den Vertrag sogar an, wenn er von einer Arglist des Versicherungsnehmers ausgeht.

Aber: Nicht jede unkorrekt beantwortete Frage im Antragsformular führt automatisch zu einem Leistungsverweigerungsrecht des Versicherers. Wer sich in dieser Situation wiederfindet, ist auf kompetente Beratung und Vertretung durch einen im Versicherungsrecht versierten Rechtsanwalt angewiesen, um seine häufig existenziell wichtigen Ansprüche aus einer solchen Versicherung durchsetzen zu können.