meinAnwaltsbüro.h i l d e s h e i m


 

Veröffentlichungen

 
Klaus Günter-Zok 
2006 - Fahrverbot: Keine Regel ohne Ausnahme
2007 - BVerfG aktuell: Reform des Erbschaftssteuerrechts
2008 - Was wird die Erbrechtsreform bringen?
2009 - Fahrverbote vermeiden
2010 - Änderungen des Pflichtteilsrechts ab 01.01.2010
2011 - Die Tricks der Versicherungen bei einem Verkehrsunfall
2012 - Gefährlicher Punktehandelt u. geplantes Fahreignungsregister
2013 - Bußgelder im Ausland – damit Ihr Urlaub nicht zu teuer wird
2014 - Flensburger Punktealarm: So schnell ist Ihr Lappen weg!
2017 - Vorsorgevollmacht
2017 - Stolperfalle Testament

Stolperfalle Testament

 

Nur jeder vierte Deutsche hat den „Letzten Willen“ in einem Testament verfügt. Ohne Testament  gilt die gesetzliche Erbfolge., die aber in vielen Fällen gar nicht gewünscht ist. So beerben sich etwa kinderlose Ehepaare nicht nur gegenseitig, denn auch Eltern, Geschwister oder deren Kinder (Nichten und Neffen) sind ohne Testament gesetzliche Erben und bilden eine Erbengemeinschaft. Jedes dritte Testament ist unklar formuliert. Das kann nicht nur zu Verwirrung führen, sondern auch zu erbittertem Streit unter Angehörigen.

 

Viele warten zu lange mit einem Testament. Nach unvorhersehbaren Umständen wie etwa ein schwerer Unfall, ein Schlaganfall oder Herzstillstand oder nach Eintritt von Demenz oder Alzheimer fehlt es oft an der erforderlichen Geschäftsfähigkeit. Die Folge: es gilt die gesetzliche Erbfolge.

 

Nicht schön, aber oft Realität: Viele Testamente werden nicht aufgefunden oder verschwinden, weil der Inhalt dem Finder nicht gefällt. Deshalb gehört der „Letzte Wille“ nicht zu Hause in die Schublade, sondern sollte beim örtlichen Amtsgericht (Nachlassgericht) sicher hinterlegt werden.

 

Diese Fehler sollten Sie beim Vererben vermeiden

Irrtum 1: Nach dem Tod des Partners erbt der andere automatisch alles

Der größte Irrtum ist, dass dem Ehegatten nach dem Tod des anderen automatisch alles gehört. Viele denken, die Kinder würden erst nach dem Tod des zweiten Partners erben. Das Gesetz gibt vor, dass  Kinder automatisch bedacht werden. Fehlt ein Testament oder ein Erbvertrag, dann erben die Kinder die Hälfte des Nachlasses. Bei kinderlosen Ehegatten erben Eltern oder Geschwister mit!

Ehepartnern, die durch ein gemeinschaftliches Ehegattentestament den jeweils anderen zunächst als Alleinerben einsetzen wollen, sollten ein sogenanntes „Berliner Testament“ errichten. Hiermit können sie festlegen, dass die Kinder erst nach dem Tod des zweiten Partners erben. Doch auch hier gibt es eine Stolperfalle: die Bindungswirkung (Wechselbezüglichkeit). Ein Berliner Testament können nur beide Partner gemeinsam ändern bzw. einseitig zu Lebzeiten widerrufen. Nach dem Tod des Erstversterbenden ist der überlebende Ehegatter an das gebunden, was im Testament gemeinsam bestimmt wurde. Das gilt auch, wenn sich die tatsächlichen Verhältnisse nach dem Tode des Erstversterbenden geändert haben. Der überlebende Ehegatte  kann nichts mehr ändern, es sei denn, die Änderung und ggf. deren Umfang wäre ausdrücklich vereinbart.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass bei der gegenseitigen Erbeinsetzungen die nächsten Verwandten (die Kinder oder bei einer kinderlosen Ehe die Eltern des Verstorbenen) von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen werden, also nicht Erben werden. Nach dem Gesetz sollen diese aber nicht „leer ausgehen“. Daher können diese nahen Verwandten den sog. Pflichtteil (in Geld) verlangen. Hierbei handelt es sich um einen Anspruch auf Zahlung in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils. Dieser Pflichtteil ist den Kindern in aller Regel nicht zu nehmen und kann innerhalb von drei Jahren geltend gemacht werden. Möglich ist eine sog. Pflichtteilsstrafklausel im Testament, z.B. dass ein Kind, das den Pflichtteil verlangt und durchsetzt, auch bei dem zweiten Erbfall, wenn der längst lebende Elternteil verstirbt, nur den Pflichtteil erhalten soll. Ein Pflichtteilsverzicht ist möglich, muss aber notariell beurkundet werden.

 

Irrtum 2: Ich kann meine Kinder enterben

Das ist falsch. „Enterben“ bedeutet, man hat die Person als gesetzlich Erbberechtigten ausgeschlossen.  Nur unter ganz besonderen Umständen können Eltern ihren Kindern aber auch den Pflichtteil entziehen und den Pflichtteilsanspruch „aushebeln“,  z.B.  wenn ein Abkömmling dem Erblasser, seinem Ehe- bzw. Lebenspartner oder einem seiner anderen Kinder nach dem Leben trachtet oder gegen diese ein Verbrechen oder vorsätzliches Vergehen begangen hat. Auch eine rechtskräftige Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung berechtigt zum Pflichtteilsentzug.

 

Irrtum 3: Ich verteile im Testament die Wertgegenstände an bestimmte Personen und vermeide damit Streit

Das ist ein häufiger und typischer Fehler. Nicht selten denken Erblasser, wenn sie möglichst detailliert ihr Vermögen auflisten und bestimmen, wer welche Vermögenswerte oder Gegenstände erhalten soll, sei alles geregelt, um späteren Streit zu vermeiden. Aber ein solcher Streit wird geradezu provoziert. Der Fehler ist, dass offen bleibt, wer Erbe ist. Das sind nicht automatisch diejenigen, die genannt sind. Der Nachlass geht in seiner Gesamtheit auf die Erben über. Wer sein Vermögen verteilt, ohne einen oder mehrere Erben zu bestimmen, setzt damit die Ursache für eine gerichtliche Auseinandersetzung. Ein langes und kostenträchtiges Klageverfahren wäre vorprogrammiert.   

Rat: In der ersten Stufe sollte in einem Testament immer niedergelegt werden, wer als Erbe eingesetzt wird. Sollen mehrere Personen als Erben eingesetzt werden, sind die Anteile nach Quoten bzw. Prozent zu bestimmen. Mehrere Erben bilden eine Erbengemeinschaft, die sich auseinandersetzen müssen. In der zweiten Stufe kann dann durch eine „Teilungsanordnung“ bestimmt werden, welcher Erbe von dem Nachlassvermögen welches Vermögen erhalten soll. Sollte einer der Erben wertmäßig dadurch mehr erhalten als seine Erbquote, sollte klargestellt und bestimmt werden, ob Wertunterschiede zwischen den Erben auszugleichen sind oder nicht.

 

Irrtum 4: Ich mache meinen Neffen reich - Erbschaftssteuer

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner sowie Kinder und Enkel können großzügige Freibeträge nutzen.  Ehegatten und Lebenspartner  können bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben,  Kinder bis zu 400.000 Euro (nach jedem Elternteil!) und Enkel  bis zu 200.000 Euro. Darüber hinaus gibt es Freibeträge für Gegenstände wie den Hausrat. Geschwister, Nichten, Neffen und andere können dagegen nur 20.000 Euro steuerfrei erben. Würde einem Neffen eine höhere Summe hinterlassen, beträgt sein Erbschaftssteuer-Satz  nach Abzug des Freibetrags je nach Höhe der Erbschaftssumme zwischen 30 und 50 Prozent. Steuerliche Konsequenzen sollten daher immer bei jedem Testament bedacht werden.

Eine Alternative kann sein, den Begünstigten schon zu Lebzeiten in Etappen Geld oder Vermögensgegenstände zukommen zu lassen, insbesondere bei einem Vermögen, das weit über den jeweiligen Steuerfreibetrag hinausgeht; denn die Steuerfreibeträge können alle 10 Jahre erneut in Anspruch genommen werden.

 

Irrtum 5: Wenn ich nicht erben will, muss ich einfach nichts tun

Das ist falsch. Es gibt immer noch den weit verbreiteten Irrtum, dass ich mich einfach nur nicht melden muss, und damit bin ich dann nicht Erbe.  Rechtlich gilt: Wer ein Erbe ausschlagen will, muss dieses innerhalb von sechs Wochen tun, entweder beim Nachlassgericht oder bei einem Notar. Die Frist beginnt zu dem Zeitpunkt, an dem der Erbe vom Todesfall und der Tatsache, dass er Erbe ist erfährt.

 

Tipps:

·         Bestimmungen über die Bestattung gehören nicht ins Testament

·         Angaben im Testament über Motive für die Zuwendungen  sollten unterbleiben

·         Missverständnisse vermeiden durch exakte Formulierung. Vermeiden Sie undifferenziert und ohne rechtliches Verständnis  Begriffe wie Vorerbe, Haupterbe oder Alleinerbe bzw. bei Kindern Schlusserbe oder Nacherbe

·         Jedes Testament sollte in gewissen Abständen kritisch überprüft werden, ob es noch zu den Gegebenheiten passt. Wenn nicht, sollte es erneuert werden.

·         Vollmacht hinsichtlich des Digitalen Nachlass (z.B. Email-Konten, soziale Netzwerke, Mitgliedschaften bei Portalen wie Amazon, Ebay) über den Tod alle Handlungen vorzunehmen, Willenserklärungen abzugeben und entgegen zu nehmen.

 

Hinweis:  Die vorstehenden Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie enthalten lediglich einen Überblick und können eine individuelle Beratung nicht ersetzen.

Lassen Sie sich im eigenen Interesse rechtzeitig kompetent beraten!